Ventrikulitis

Vor allem bei externen Ventrikeldrainagen stellt sich häufig die Frage nach einer Infektion der Ventrikelräume. Typische Befunde sind eine granulozytäre Pleozytose mit Erhöhung von Liquoreiweiß, ev. auch -laktat. Dabei ist der lumbale Liquor bei der Frage nach einer Shunt-assoziierten Ventrikulitis wesentlich weniger aussagekräftig als ventrikulärer Liquor (Schmutzhardt). Nicht-granulozytäre Pleozytosen können bei chronischen Reizzuständen als Antwort auf die Liquordrainage oder aber in den Liquorraum instillierte Medikamente beobachtet werden. Typisch für eine Fremdkörperreaktion sind Makrophagen und Eosinophile im Liquor. Idealerweise lassen sich die verursachenden Erreger, am häufigsten (65-85% Gram-positive Haufenkokken, im Grampräparat mikroskopisch nachweisen (Schmutzhardt). Für die Kontrolle des Therapieerfolges werden wiederholte Zellzählungen notwendig. Bei der Bestimmung von Gesamteiweiß und Albumin-Quotient ist zu beachten, dass die Normalwerte im Ventrikel niedriger liegen als im lumbalen Liquor (Kluge). Der Umrechnungsfaktor für den Albumin-Quotienten im Ventrikelliquor beträgt 0,4 (Reiber). Schwierigkeiten ergeben sich bei den oft massiv Blut-kontaminierten Liquorproben in der Abgrenzung zwischen einer granulozytären Pleozytose durch die Blutkontamination und einer echten granulozytären Pleozytose als Antwort auf die Keimbesiedlung. Hier ist es hilfreich, das Verhältnis von Leukozyten zu Erythrozyten im Liquor und im Vollblut zu vergleichen. Der sogenannte Zellindex wird als Quotient aus dem Leukozyten-Quotienten (Liquor:Blut) und dem Erythrozyten-Quotienten (Liquor:Blut) gebildet (s. Tabelle 1). Werte größer 4 sprechen für eine beginnende Ventrikulitis (Schmutzhardt). Auf eine sterile Liquorentnahme ist größter Wert zu legen, um nicht durch eine Kontamination fälschlicherweise eine Infektion der Ventrikel mit Bakterien vorzutäuschen. Um eine Beurteilung der zellulären Bestandteile zu erlauben, empfiehlt es sich, die ersten 3-5 ml aus der Drainage zu verwerfen.

Tabelle 1: Berechnung und Aussage des Zellindexes
Leukozyten im Liquor x Erythrozyten im Blut Leukozyten im Blut x Erythrozyten im Liquor
< 4 > 4
Blutbeimengung Blutbeimengung + Ventrikulitis
Tabelle 1: Wertigkeit verschiedener Liquorparameter bei der Diagnostik der Ventrikulitis
Methode Diagnose
sichernd
Differentialdiagnostisch
relevant
Therapie
entscheidend
Zellzahl  
Zelldifferenzierung    
Blut-Liquor-Schranke
• Gesamtprotein
• QAlb


   
Humorale Immunreaktion
• Intrathekale IgG-Synthese
• Intrathekale IgM-Synthese
• Intrathekale IgA-Synthese
• Oligoklonale Banden
     
Laktat
Glukose-Quotient

 
   
Mikroskopischer Erregernachweis    

Literatur

Kluge H, Kalff R: Besonderheiten des Ventrikelliquors. In: Zettl UK, Lehmitz R, Mix E (Hrsg.) Klinische Liquordiagnostik. De Gruyter Verlag Berlin 2005.

Reiber H: Proteindiagnostik. In: Zettl UK, Lehmitz R, Mix E (Hrsg.) Klinische Liquordiagnostik. De Gruyter Verlag Berlin 2005.

Shuntassoziierte Ventrikulitis. In: Schmutzhardt E: Entzündliche Erkrankungen des Nervensystems. Thieme Verlag Stuttgart 2000.