Fazialisparese, periphere

Der VII. Hirnnerv kann auf dem langen Weg von seinem motorischen Kern, über den Pons, bis zu den Endästen der mimischen Gesichtsmuskulatur unterschiedliche Schädigungen (Trauma, Blutung, Ischämie, Tumor, Demyelinisierung, Entzündung) erfahren. Der Ort der Schädigung, eine Mitbeteiligung von Hirnstamm oder anderen Hirnnerven, die Manifestationsgeschwindigkeit und die ein- oder beidseitige Ausprägung geben Hinweise über die mögliche Ätiologie der Fazialisparese und die notwendigen Untersuchungsstrategien.

Eine Lumbalpunktion kann je nach Konstellation in allen Situationen wertvolle Informationen liefern. Z.B kann eine isolierte Fazialisparese auch Erstsymptom einer Multiplen Sklerose sein.  Eine Liquoruntersuchung ist jedoch vor allem bei akuten peripheren Fazialisparesen (apF) zum Ausschluss entzündlicher Ursachen notwendig. In 10- 20% der Fälle (bei Kindern eventuell höher) geht die apF auf eine Borrelieninfektion zurück. Die apF kann isoliert auftreten und die Blutserologie kann negativ sein, so dass nur über die Untersuchung des Liquors ein sicherer Ausschluss einer Borreliose gelingt. Bei Anwesenheit von Zosterbläschen im Ohr, auf der Zunge oder im Gaumen (Ramsay-Hunt Syndrom) ist eine Reaktivierung von Varizella Zoster Virus (VZV) die wahrscheinliche Ursache für die apF. Eine VZV Infektion kann jedoch auch ohne Exanthem (Zoster sine herpete) vorliegen, was nur über die Liquoranalyse verlässlich festgestellt werden kann. Auch bei anderen seltenen Erregern als Ursache der apF wie HSV, EBV, CMV, Mumps oder HIV ist der direkte Erregernachweis aus dem Liquor mittels PCR und/oder der indirekte Erregernachweis mittels AI als beweisend anzusehen. In 2/3 der Fälle wird keine Ursache gefunden, so daß man von einer idiopathischen Fazialisparese oder einer Bell’schen Lähmung spricht.

Tabelle 1: Typische Liquorbefunde bei verschiedenen Ursachen der akuten peripheren Fazialisparese
Liquorparameter Borrelien Varizella zoster idiopathisch
Zellzahl /µl 50 – 1000 < 500 normal – leicht erhöht

Zytologie

überwiegend lymphozytär
mit vielen Plasmazellen
Lymphozytär normal – lymphozytär

Laktat mMol/l

normal normal normal
Blut-Liquor-Schranke meist schwer gestört leicht gestört normal – leicht erhöht
Intrathekale
Ig-Synthese
IgM Dominanz mit IgG und (IgA) gelegentlich oligoklonale
Banden
selten oligoklonale
Banden
Erregernachweis Antikörperindex, Blot VZV PCR, Antikörperindex s. Text
Tabelle 2: Wertigkeit verschiedener Liquorparameter bei der Diagnostik der peripheren Fazialisparese
Methode Diagnose
sichernd
Differentialdiagnostisch
relevant
Therapie
entscheidend
Zellzahl    
Zelldifferenzierung    
Blut-Liquor-Schranke
• Gesamtprotein
• QAlb
 

 
Humorale Immunreaktion
• Intrathekale IgG-Synthese
• Intrathekale IgM-Synthese
• Intrathekale IgA-Synthese
• Oligoklonale Banden
 



 
Laktat
Glukose-Quotient
 
 
PCR  
Antikörperindex  

Literatur

Roob G, Fazekas F, Hartung HP: Peripheral facial palsy: etiology, diagnosis and treatment. Eur Neurol 1999; 41: 3-9

Hyden D, Roberg M, Forsberg P, Fridell E, Fryden A, Linde A, Odkvist L: Acute “idiopathic” peripheral facial palsy: clinical, serological, and cerebrospinal fluid findings and effects of corticosteroids. Am J Otolaryngol 1993; 14: 179-186

Jaamaa S, Salonen M, Seppala I, Pilparinen H, Sarna S, Koskiniemi M: Varicella zoster and Borrelia burgdorferi are the main agents associated with facial paresis, especially in children. J Clin Virol 2003; 27 : 146-151